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01.03.2021 | COVID-19-Infektion in der Schwangerschaft

Vom 22.01.-03.10.2020 registrierten die CDC (Centers for Disease Control and Prevention) in den USA 1.300.938 Frauen im reproduktiven Alter (15-44 Jahre) mit einer COVID-19 Infektion. Davon waren 88,7% symptomatisch, 5,7% schwanger. Im schwangeren Kollektiv war häufiger eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich (10,5 vs. 3,9 alle 1000 Fälle; aRR 3,0; 95% CI 2,6-3,4), erfolgten häufiger Sauerstoff-Therapien (2,9 vs. 1,1 alle 1000 Fälle; aRR 2,9; 95%CI 2,2-3,8) und Intubationen (0,7 vs. 0,3 alle 1000 Fälle; aRR 2,4; 95%CI 1,5-4) und traten mehr Todesfälle auf (1,5 vs. 1,2 alle 1000 Fälle; aRR 1,7; 95%CI 1,2-2,4) (1).

Eine aktuelle Übersichtsarbeit beschreibt folgende Besonderheiten für schwangere Patientinnen (2): während der Schwangerschaft ist eine Down-Regulierung der Th-1 assoziierten Immunität zugunsten der humoralen Th-2 modulierten Immunregulation für eine höhere Anfälligkeit der Schwangeren für respiratorische virale Infekte verantwortlich. Die physiologischen hämodynamischen Veränderungen in der Gravidität (reduziertes Lungenvolumen, gesteigerter Sauerstoff-Verbrauch und Prokoagulabilität des Blutes) scheinen den komplizierten Verlauf einer COVID-19-Infektion zu begünstigen. Inzwischen wurde eine vertikale Transmission zum Feten nachgewiesen. Es gibt Fallberichte zum intrauterinen Fruchttod auch unter asymptomatischen Verläufen, jedoch selten Neugeborene mit symptomatischem Verlauf einer Covid-19-Infektion. Somit leitet sich die Empfehlung ab, bei milden Symptomen (Dyspnoe, verminderte Sauerstoffsättigung, Fieber oder Myalgie) frühzeitig den Kontakt der COVID-19 positiven Schwangeren zum Arzt zu suchen. Eine Hospitalisation findet häufiger 7 Tage nach Beginn der Symptomatik statt (2).

Die Häufigkeit perinataler Komplikationen lag in einer schwedischen Studie an Schwangeren mit einer Corona-Infektion im späten zweiten oder dritten Trimenon höher. Diese litten häufiger an einer Präeklampsie (7,7% vs. 4%; OR 1,84; 95%CI 1,0-3,4), hatten seltener eine medikamentöse Geburtseinleitung (18,7% vs. 29,6%; OR 0,64; 95%CI 0,45-0,9) und entbanden häufiger per Kaiserschnitt (46,7% unter den symptomatischen und 45,5% unter den asymptomatischen) im Vergleich zu den nicht infizierten Schwangeren (30,9%, p=0,044). Ob die Frühgeburtlichkeit im infizierten Kollektiv gesteigert ist, lässt sich durch die vorliegenden Daten nicht endgültig klären (3).

Literatur:

  1. Zambrano et al. Update: Characteristics of symptomatic women of reproductive age with laboratory-confirmed SARS-COV-2 infection by pregnancy status - United States, January 22-October 3, 2020. MMWR Morb. Mortal. Wkly. Rep. 2020; 69: 1641-1647
  2. Kucitka et al. Severity of COVID-19 in pregnancy: A review of current evidence. Am J Reprod Immunol. 2020; 84: e13332
  3. Joseph et al. The Effects of COVID-19 on pregnancy and implications for reproductive medicine. Fertil. Steril (2021); Jan 1 (Online ahead of print)

Dr. med. Raquel Pozo-Ugarte