Neues aus der Wissenschaft

Immer auf dem neuesten Stand

An dieser Stelle informieren wir Sie immer aktuell zu laufenden Diskussionen oder wichtigen Erkenntnissen aus der medizinischen Forschung und der klinischen Praxis.

Hier werden alle bisherigen und zukünftigen Beiträge hinterlegt.

15.03.2021 | Bedeutung des Schlafes für die Reproduktion

Kürzlich erschien eine Meta-Analyse von 33 Studien (publiziert zwischen 1/2000 und 6/2020), die sich mit dem Zusammenhang des Schlafes zur Funktion der weiblichen (n=10) bzw. männlichen (n=12) Gonaden, zur natürlichen Fertilität (n=5) sowie zum Outcome einer In-vitro-Fertilisation (IVF) (n=6) beschäftigten (Caetano et al. Impact of sleep on female and male reproductive functions: a systematic review. Fertil. Steril. 2020; Oct 11: Online ahead of print.) Die heterogenen und dadurch schwer vergleichbaren Studien zeigten den Einfluss einer kurzen Schlafdauer, des abendlichen Chronotyps (Aktivität präferiert in den Abendstunden) und der Schicht-/Nachtarbeit auf die weibliche bzw. männliche Fertilität sowie das Ergebnis einer IVF.

Wegen der genannten Heterogenität waren finale Schlussfolgerungen sowie Konsequenzen für eine eventuelle Einflussnahme auf die oben genannten Parameter über die Steuerung des Schlafes derzeit nicht möglich. Die Autoren rücken mit dem Schlaf aber einen innvovativen möglichen Einflussfaktor auf die Reproduktion in den Fokus und implizieren weiteren Studienbedarf (Auger et al. In the arms of Morpheus: meta-analysis of sleep and fertility. Fertil. Steril. 2021; Jan 28: Online ahead of print.)
Interessanterweise erschien fast parallel eine prospektive Kohortenstudie zur Frage, ob ein Schlafdefizit mit einer Infertilität und wiederholten Aborten assoziiert ist (Stocker et al. Is sleep deficit associated with infertility and recurrent pregnancy losses? Results from a prospective cohort study. Acta Obstet. Gynecol. Scand. 2021; 100: 302-313).

Ausgewertet wurden 3 Gruppen: Implantationsversagen (n=11) (Transfer von ≥ 3 Embryonen oder ≥ 2 erfolglose IVF-Versuche), wiederholte Aborte (n=23) (≥ 3 Aborte vor der vollendeten 24. SSW) und Kontrollen (n=14) (fertile Frauen).
Frauen mit einem Implantationsversagen schliefen durchschnittlich 7:35 h (± 57 min.) und damit 53 min. weniger als die Kontrollen (P = 0,03), obwohl sich die objektive Schlafqualität und subjektive Schlafquantität nicht signifikant unterschieden.
Frauen mit wiederholten Aborten schliefen 36 min./Nacht weniger als die Kontrollen, aber 17 min./Nacht länger als Frauen mit einem Implantationsversagen. Die Lichtexposition differierte zwischen allen 3 Gruppen nicht.

Die Studie zeigte eine Assoziation von reduzierter Schlafdauer und weiblicher Subfertilität. Eine kausale Beziehung lässt sich derzeit aber nicht beurteilen.

Weitere Studien zum Zusammenhang von “innerer Uhr”/zirkadianer Rhythmik und Fertilität versprechen auf jeden Fall Spannung.

Prof. Dr. med. Frank Nawroth