Antagonistenprotokoll – eine patientenfreundliche Alternative
In unserer Klinik bevorzugen wir die milde Stimulation der Eierstöcke mit eher niedrigen Hormongaben. Diese Art der Vorbehandlung für die künstliche Befruchtung ist für die betroffene Frau weniger belastend. Über den wissenschaftlichen Hintergrund dieser Behandlung und die damit verbundenen hervorragenden Schwangerschaftsraten äußerten sich Dr. Bispink und Dr. Chandra aus dem ärztlichen Team der Deutschen Klinik Bad Münder in einem Interview mit der Zeitung “Ärztliche Praxis Gynäkologie”:
Die Kinderwunschbehandlung ist für Frauen nach wie vor mit viel Stress verbunden. Als besonders belastend empfinden Patientinnen die täglichen Hormoninjektionen zur Stimulation der Eierstöcke. Eine milde Form der ovariellen Stimulation zur In-vitro-Fertilisation (IVF) oder zur intrazytoplasmatischen Spermien-Injektion (ICSI) könnte die Kinderwunschbehandlung in Zukunft erheblich erleichtern. Dr. Dr. Ludwig Bispink und Dr. Arvind Chandra vom Zentrum für IVF und Reproduktionsmedizin, Deutsche Klinik Bad Münder gaben Auskunft über die patientenfreundliche Alternative.
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Frage: Es ist immer wieder die Rede von milden Stimulationsverfahren, das heißt von einer individuell auf die Patientin abgestimmten Stimulation. Was versteht man darunter?
Dr. Bispink: Unter milder Stimulation verstehen wir eine Behandlung, die darauf ausgerichtet ist, die Patientin möglichst wenig zu belasten. Es wird so kurz und so niedrig wie möglich dosiert, ohne jedoch die Chance der Schwangerschaft zu beeinträchtigen. In diesem Konzept spielen die GnRH-Antagonisten eine wichtige Rolle. Das milde Antagonistenprotokoll ermöglicht eine deutlich kürzere Stimulationsdauer im Vergleich zum langen Protokoll mit einem GnRH-Agonisten. Es erfordert somit auch weniger Behandlungstermine. Wir wenden in Bad Münder ein niedrig dosiertes Antagonistenprotokoll bereits seit 1999 erfolgreich an.
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Frage: Welche Rolle spielen dabei Antagonisten und welche Vorteile bietet diese Behandlungsmethode?
Dr. Chandra: Nach unserer Erfahrung ermöglicht die Ausnutzung der körpereigenen Gonadotropin-Sekretion eine erheblich niedrigere Dosierung der Gonadotropine. In der Folge entstehen zwar weniger Follikel. Das wird jedoch nach neueren Erkenntnissen durch eine bessere Selektion entwicklungsfähiger, genetisch intakter Eizellen kompensiert. Die Ausbeute ist insgesamt gesehen gleich.
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Frage: Bedeutet dieses Verfahren auch mehr Sicherheit, sprich weniger Nebenwirkungen?
Dr. Bispink: Der Vorteil der milden Stimulation ist eine gute Selektion entwicklungsfähiger reifer Eizellen mit konsekutiv hoher Schwangerschaftsrate. Offenbar hat die milde Stimulation auch einen günstigeren Einfluss auf die Endometriumsentwicklung und auf die nachfolgende Implantation. Die geringere Gonadotropingesamtdosierung geht mit wesentlich weniger Nebenwirkungen einher und wird deshalb besser toleriert als die klassischen Stimulationsregime. Aufgrund der geringeren Zahl punktierter Follikel sind auch Beschwerden nach der Follikelpunktion seltener.
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Frage: Wie empfinden Patientinnen die milde Stimulation gegenüber dem klassischen Verfahren, also dem langen Protokoll?
Dr. Chandra: Die relativ kurze Stimulationsdauer ermöglicht eine rationelle Behandlung, da im Verlauf der Stimulation in der Regel nur zwei Konsultationen zum Ultraschall und zur Hormonanalyse notwendig sind, und zwar am sechsten und am elften Zyklustag. Dadurch ist die Behandlung sehr patientenfreundlich und zudem kostengünstig. Die Vorbereitung mit einer Pille ermöglicht eine exakte Terminplanung. Das kommt den Wünschen der Patientinnen sehr entgegen.
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Frage: Wie sieht das in Bad Münder angewendete Antagonistenprotokoll aus?
Dr. Bispink: Im Standardprotokoll beginnen wir mit der Gonadotropinstimulation erst am sechsten Zyklustag nach vorheriger Gestagen- oder Ovulationshemmer-Medikation, alternativ in Kombination mit einer niedrig dosierten Clomifen-Stimulation. Die Ausreifung der Follikel ist hierbei durchschnittlich bereits nach einer etwa siebentägigen Stimulation mit 150 – 200 I.E. FSH abgeschlossen. Eine vorzeitige Luteinisierung wird durch die Gabe eines Antagonisten nach dem fünften Gonadotropinstimulationstag, also ab dem elften Zyklustag, verhindert.
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Frage: Wie beurteilen Sie die Erfolgsraten?
Dr. Chandra: Wir favorisieren das mild stimulierte Antagonisten-Protokoll, das in etwa 70 Prozent aller Zyklen angewandt wird. Ungeachtet der Tatsache, dass wir durchschnittlich nur zwischen vier und sieben Eizellen gewinnen, haben wir eine exzellente Schwangerschaftsrate. In einer retrospektiven Analyse von 3500 Behandlungen zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der klinischen Schwangerschaftsrate (36% low-dose-Antagonisten-Protokoll versus 39% im long- bzw. ultralong Protokoll)
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Fazit: Das mild stimulierte Antagonistenprotokoll hat den Vorteil einer guten Selektion entwicklungsfähiger reifer Eizellen mit einer nachfolgend hohen Schwangerschaftsrate. Die Behandlung ist mit wesentlich weniger Nebenwirkungen verbunden und wird deshalb von den Patientinnen besser toleriert. Weil weniger Follikel punktiert werden, sind auch Beschwerden nach Follikelpunktion seltener. Die hohe klinische Schwangerschaftsrate von 36 Prozent wiegt den Nachteil, dass aufgrund des kürzeren Protokolls weniger überzählige befruchtete Eizellen für die Kryokonservierung zur Verfügung stehen, auf. Die milde ovarielle Stimulation mit GnRH-Antagonisten gewinnt in der Kinderwunschbehandlung immer mehr an Relevanz.
ÄP Gynäkologie 5/2007 S. 55
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