Deutsche Klinik Bad Münder

Zentrum für IVF und Reproduktionsmedizin – Bad Münder – Hannover
 
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Mehr Fehlgeburten durch Kaffee?

6. September 2015 News zum Thema Kinderwunsch | Abgelegt in der Rubrik Ernährung

Wenn sich unsre Patientinnen oft aufwendigen Behandlungen unterziehen, dann möchten sie alles richtig machen, um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen. Wer große Mengen an Kaffee konsumiert, vermindert, die Chancen dafür deutlich und auch das Risiko für Fehlgeburten ist erhöht.

Da dieser Zusammenhang dosisabhängig ist, bedeutet dies nicht den vollständigen Verzicht auf Koffein. Eine Übersicht auf wunschkinder.net fasst zahlreiche Studien dazu übersichtlich zusammen.

Die Zusammenfassung soll hier kurz zitiert werden:

  • Ein Effekt des Coffeins auf die Fruchtbarkeit ist anzunehmen
  • Der Effekt scheint dosisabhängig zu sein
  • Die Grenzwerte werden, wenn sie explizit genannt werden zwischen 300 und 500 mg gefunden, ab der ein negativer Effekt auftritt
  • Wer raucht, seine Fruchtbarkeit schon so weit geschädigt, dass der Kaffee dann auch schon nichts mehr ausmacht
  • Die Wirkung des Kaffees entsteht möglicherweise über chronisch erhöhte Östrogenspiegel
  • Endometriose als ein Sterilitätsfaktor kann durch Coffein verstärkt werden
  • Tee enthält ebenfalls Koffein, aber in deutlich geringeren Mengen
  • 1-2 Tasse Kaffee pro Tag sollten keinen Einfluss haben, wenn man die Grenzwerte der Studien streng interprtiert

Diese Ergebnisse einer aktuelleren Studie bei IVF-Patientinnen zeigten sogar noch deutlich höhere Grenzwerte: Bis zu vier Tassen sollten demnach keinen Einfluss auf die Schwangerschaftsraten haben.

Photo by OiMax

Auf Kaffee muss auch bei Kinderwunsch nicht vollständig verzichtet werden.Photo by OiMax

Lieber etwas vorsichtiger

Eine aktuelle dänische Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeit und Kaffeekonsum an über 5.000 Frauen, die auf natürlichem Weg schwanger werden wollten. Die Studie ist eine der bislang größten prospektiven zu dieser Thematik. Ein Zusammenhang zwischen Fehlgeburtenrate und Kaffeekonsum vor der Schwangerschaft konnte nicht nachgewiesen werden. Anders jedoch der Zusammenhang mit Kaffeekonsum in der Frühschwangerschaft. Hier fand man ein leicht erhöhtes Risiko für Fehlgeburten bei bereits geringem Kaffee-Genuss (1-2 Tassen). Im Gegensatz zu vielen anderen Studien zu diesem Thema findet sich jedoch keine Dosis-Wirkungs-Beziehung: man müsste ja annehmen, dass ein höherer Kaffee-Konsum auch mit einem höheren Abortrisiko einhergeht. Das ist aber nicht der Fall. Auch die Autoren beschließen ihre Studie mit der Aussage, dass die Frage unbeantwortet bleibt, weil es am Ende Einflussfaktoren geben mag, die in der Risikoberechnung nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

Die Wahrheit wird vermutlich zwischen den Extremen liegen. 4 Tassen sind vermutlich etwas zu viel, jedoch ist der vollständige Verzicht auf Kaffee nicht notwendig. Die 1-2 Tassen zum morgendlichen Wachwerden gönnen wir unseren Patienten gerne…


Hahn KA, Wise LA, Rothman KJ, Mikkelsen EM, Brogly SB, Sørensen HT, Riis AH, Hatch EE.
Caffeine and caffeinated beverage consumption and risk of spontaneous abortion.
Hum Reprod. 2015 May;30(5):1246-55.


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